Vielen Dank Ernst Friedrich     
        

      


Im August letzten Jahres mussten wir nach mehr als 42-jähriger Arbeit unseren Kollegen und Schulleiter Ernst Friedreich in den Ruhestand verabschieden. Coronabedingt verlief der Abschied ganz so, wie er es sich gewünscht hat und wie es zu ihm passte:                
Ohne große Inszenierung, ohne Pathos und lange Reden, im Kreis der Schüler*innen und Kolleg*innen. Kurze Videobotschaften von  vielen, die ihn über die Jahre begleitet haben,  wurden zusammengetragen und eingespielt:
Daraus ein kleiner Auszug…


„Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie Schule sein wird, wenn du nicht mehr da bist. …
Wenn’s irgendwo gehakt hat, hast du dich mit uns hingesetzt und nach Lösungen gesucht.“
„Unfassbar, gleich bei der ersten Arbeitsstelle so viel Glück zu haben. Ich bin mega mega dankbar für alles, was ich von dir gelernt habe!“
„Du warst immer ein Lichtblick für mich, auf  allen Ebenen, auf denen wir zusammengearbeitet haben.“
„…..  immer wieder hast du uns mit deinen Wortbeiträgen zum Lachen gebracht.“
„ Du bist ein riesen Vorbild für mich, weil du mit so viel  Elan und Witz und Energie, den Anforderungen dieser Arbeit begegnest…..“


1977 baute Ernst Friedrich innerhalb des Internationalen Familienzentrums  den „ heilpädagogischen Schulzirkel“ mit auf. Hier wurde jugendlichen Schüler*innen, die vorwiegend aus Familien mit Migrationshintergrund kamen und nicht mehr in die Schule gingen oder gehen durften, ein freiwilliges Lernangebot gemacht. 


1978 wurde die Schule als „Sonderschule für Verhaltensgestörte“ mit dem Namen Alois-Eckert-Schule genehmigt und erhielt damit ein rechtssicheres Fundament. Ernst Friedrich übernahm als ausgebildeter Haupt- und Realschullehrer die Hauptstufe, die Lerngruppe der Schülerinnen und Schüler, die sich auf den Hauptschulabschluss vorbereiteten und  bereitete sich berufsbegleitend auf die Zusatzprüfung zum Förderschullehrer vor.
Schon damals legte er sehr viel Wert auf handwerkliche Angebote. Alles, was die Schüler mitbrachten, wurde zerlegt, begutachtet und wenn möglich repariert. Auch Möbel  bauten sie gemeinsam. 


Inspiriert von Mark Twains „Huckelberry Finns Abenteuer“  machte er die Tonne vor dem Schulgebäude zum Symbol der Arbeit in der AES. Geht es doch bei Mark Twain vor allem um Rebellion und Anpassung,  um Familie, Freundschaft und Bindung, um Gewissen und Moral.
„ Zuerst hasste ich die Schule, aber nach und nach war ich soweit, dass ich sie aushalten konnte“(Huckelberry Finn)

Mitte der 80er Jahre übernahm er dann die Schulleitung mit einer für ihn typischen Erklärung:
„Bevor es irgendein anderer Depp macht, mach ich es doch lieber selbst.“ Höchstens  10 Jahre wollte er Schulleiter sein, dann sollte eine anderer übernehmen. Daraus wurde nichts, mehr als 30 Jahre führte er die Schule mit herausragendem  Engagement und  großem  Verständnis für die Probleme der Schüler*innen  und Kolleg*innen.


Zum Jahreswechsel 1988/89 hat Ernst Friedrich den Umzug der Schule in die Eschenheimer Anlage organisiert. Mit dem gleichen Respekt, den er allen Schüler*innen entgegenbrachte, hat er dem Haus mit dem dazugehörigen Gelände sein unverwechselbares Gesicht gegeben. Schränke und Bänke, Sitzgruppen und Schreibtische, Bilderrahmen und Briefkästen, Klettergerüste und „Chill-Ecken“ – alles „made by Ernst“.

Zu guter Letzt hat Ernst, wie er von allen Kolleg*innen und Schüler*innen genannt wurde, uns alle auch noch durch den Übergang zu JJ geführt und dann nochmal zwei Jahre drangehängt. Bleibt nur zu sagen: 
„Vielen Dank für die gemeinsame Zeit, für das Verständnis und die Geduld, für die vielen unkonventionellen Ideen, die Unangepasstheit und den Kampfgeist, für die Pizza vor der Konferenz und den Kuchen zum Geburtstag!
 

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